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Anstrengung
Alltag
Symptom-Burnout
Symptom-ADHS
Symptom-Essstörung
Anstrengung beschreibt den subjektiv empfundenen Energieaufwand, der nötig ist, um bestimmte Aufgaben zu bewältigen oder den Alltag zu meistern.
Inhaltsverzeichnis
Anstrengung im Alltag
Anstrengung ist ein normaler Teil des menschlichen Erlebens und beschreibt die körperliche und/oder geistige Energie, die für die Bewältigung von Aufgaben aufgewendet wird. Das subjektive Erleben von Anstrengung variiert stark zwischen Individuen und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter körperliche und psychische Verfassung, Schlafqualität, Motivation und Interesse an der Aufgabe, sowie vorhandene Fähigkeiten und Ressourcen. Anstrengung ist nicht grundsätzlich negativ zu bewerten – moderate Anstrengung kann zu Erfolgserlebnissen, persönlichem Wachstum und Zufriedenheit führen (Eustress). Problematisch wird sie, wenn sie chronisch zu hoch ist und die verfügbaren Ressourcen übersteigt.
Anstrengung im Kontext psychischer Gesundheit
Bei verschiedenen psychischen Zuständen und Erkrankungen kann die subjektiv empfundene Anstrengung für bestimmte Tätigkeiten erhöht sein. Menschen mit Burnout erleben oft selbst einfache Alltagsaufgaben als unverhältnismäßig anstrengend, was mit der emotionalen Erschöpfung als Kernsymptom zusammenhängt. Bei ADHS kann die Anstrengung für Aufgaben, die Aufmerksamkeit, Organisation oder Impulskontrolle erfordern, deutlich erhöht sein, da die neurobiologischen Grundlagen dieser exekutiven Funktionen beeinträchtigt sind. Bei Essstörungen kann die mentale Anstrengung im Zusammenhang mit Mahlzeiten und Körperwahrnehmung enorm sein, da ständige innere Konflikte, Regeln und Kontrollbedürfnisse bewältigt werden müssen.
Umgang mit erhöhter Anstrengung
Der Umgang mit erhöhter Anstrengung erfordert zunächst das Erkennen und Akzeptieren der eigenen Grenzen. Es ist wichtig, realistische Erwartungen zu setzen und sich nicht mit anderen zu vergleichen, besonders bei Vorliegen psychischer Beeinträchtigungen. Strategien zur Bewältigung umfassen das Setzen von Prioritäten, das Aufteilen größerer Aufgaben in kleinere Schritte, regelmäßige Pausen und eine gute Selbstfürsorge. Bei ADHS können externe Strukturierungshilfen, klare Routinen und die Nutzung von Stärken und Interessen hilfreich sein. Bei Burnout ist oft eine grundlegende Neuausrichtung des Verhältnisses von Belastung und Erholung notwendig. Professionelle Unterstützung sollte in Anspruch genommen werden, wenn die Anstrengung dauerhaft als überwältigend erlebt wird.
Bildhafte Erklärungen
Die Energiewährung
Anstrengung kann als eine Art 'Energiewährung' verstanden werden, die wir für verschiedene Aktivitäten 'ausgeben'. Jeder Mensch hat ein bestimmtes tägliches 'Budget' dieser Währung, das durch Schlaf, Erholung und positive Erfahrungen aufgefüllt wird. Bei manchen psychischen Zuständen wie ADHS oder Burnout ist dieses Budget jedoch von vornherein kleiner oder wird schneller aufgebraucht. Bestimmte Aktivitäten kosten auch unterschiedlich viel dieser 'Währung' – was für einen Menschen ein 'Schnäppchen' ist (wenig Anstrengung), kann für einen anderen mit ADHS oder Burnout 'teuer' (sehr anstrengend) sein. Gutes Energiemanagement bedeutet, bewusst zu entscheiden, wofür man seine begrenzte 'Währung' ausgibt und wie man das Budget wieder auffüllen kann.
Einzelnachweise
- Hockey, R. (2013). The psychology of fatigue: Work, effort and control. Cambridge University Press.
- Barkley, R. A. (2015). Attention-deficit hyperactivity disorder: A handbook for diagnosis and treatment (4th ed.). Guilford Press.